Die Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH (LQM) feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Vorgängerorganisationen hinzugezählt reicht die Arbeit noch weiter zurück bis zur Zeit des EU-Beitritts Österreichs im Jahr 1995. Wir haben deshalb beim damaligen Landesrat Erich Schwärzler „nochgfrogt“, was ihm aus dieser bewegten Zeit prägend in Erinnerung geblieben ist.

Lieber Erich, du warst von 1993 bis 2018 Landesrat. Was ist dir speziell aus deiner Anfangszeit besonders in Erinnerung geblieben?
Erich Schwärzler: Das war eine enorm bewegte Zeit. Ich bin genau zum EU-Beitritt in die Landesregierung gekommen und damit in eine Phase, in der sich die Landwirtschaft komplett neu erfinden musste. Mit dem EU-Beitritt wurde das alte und starre Marktordnungssystem aufgelöst, bei dem beispielsweise die Milch an die Genossenschaft abgegeben werden musste, und der freie Markt stand vor der Tür. Das war ein echter Umbruch. Plötzlich konnten die Bäuerinnen und Bauern selbst vermarkten, und viele innovative Landwirte sind direkt eingestiegen. Es entstand eine Aufbruchsstimmung, aber auch große Unsicherheit. Niemand wusste genau, wie sich Einkommen und Strukturen entwickeln würden, wurden doch zuvor noch Exportstützen seitens des Staates geleistet. Die Säle bei Bauernversammlungen waren in dieser Zeit dementsprechend voll, weil alle Antworten gesucht haben.
Wie wollte das Land Vorarlberg damals die heimischen landwirtschaftlichen Betriebe besonders unterstützen?
Erich Schwärzler: Es mussten zuerst die zentralen Fragen beantwortet werden, um richtig zu agieren: Welchen Mehrwert bieten wir den Konsumentinnen und Konsumenten? Wie schaffen wir höhere Wertschöpfung? Und wie bauen wir Vertrauen in unsere Produkte auf? Genau dafür wurden zwei wichtige Organisationen gegründet: der „Qualitätsmanagement Verein“ (QMV) und der „Vorarlberger Naturprodukte Verein“, später „Bäuerliches Ländle Marketing“ (BLM). Der eine hat auf höchste Qualität gesetzt, der andere legte den Fokus rein auf die Vermarktung. Gleichzeitig ist viel Neues entstanden, wie etwa die 1998 gegründete „KäseStrasse Bregenzerwald“ oder die zahlreichen Bauernmärkte im ganzen Land. In diesen ersten fünf Jahren nach dem EU-Beitritt gab es mehr Innovation als in den 25 Jahren davor. Enorm wichtig war bei all diesen Projekten die Zusammenarbeit. Einzelkämpfer hatten es schwer, es brauchte Partnerschaften: zwischen Landwirtschaft und Konsumenten, zwischen Bauern und Gastronomie. Auch der Tourismus war ein wichtiger Partner. Gemeinsam hat man verstanden: Regionalität und Qualität sind unsere Stärken und die Natur ist die Grundlage von allem. Sie ist auch aus Sicht der Konsumenten immer stärker in den Mittelpunkt gerückt.
Wie kam es schließlich zur Gründung der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH (LQM)?
Erich Schwärzler: 2001 haben wir die beiden Vereine QMV und BLM zusammengeführt und die LQM gegründet. Es war klar: Zwei Organisationen mit unterschiedlichen Botschaften funktionieren auf Dauer nicht. Das hat das Land Vorarlberg gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer entschieden. Mir war wichtig, dass Regierung und Landtag dahinterstehen, denn wenn wir diesen Weg gehen, dann gemeinsam.
Die Diskussion über diese Zusammenführung gab es schon länger, der Ausbruch der Rinderkrankheit BSE im Jahr 2000 in Deutschland gab dann den letzten Anstoß. Wir wussten, wie wichtig Vertrauen in die landwirtschaftlichen Produkte und klare Herkunft sind.

Wie hat sich die LQM aus deiner Sicht entwickelt?
Erich Schwärzler: Sehr positiv. Sie hat es geschafft, die Marke „Ländle“ zu stärken und präsent zu halten. Das war entscheidend. Wir haben in Vorarlberg immer großen Wert auf enge Zusammenarbeit gelegt – mit Sennereien, Metzgereien, Handel und Regionen. Auch die Qualität hat sich enorm entwickelt. Daher ist es wichtig, dass diese regionale Qualität für Konsumentinnen und Konsumenten auch erkennbar ist, und das leistet das Ländle Gütesiegel. Heute haben wir eine Vielfalt an Produkten mit sehr hoher Qualität.
Was waren weitere einschlägige Entwicklungen in dieser Zeit?
Erich Schwärzler: Ein großer Punkt war das Thema Generationenwechsel. Vor allem aus der älteren Generation wollten einige am alten System der genossenschaftlichen Vermarktung festhalten und sahen die Direktvermarktung nicht so positiv, auf die bereits einige Betriebe setzten. Das war also auch eine Generationenfrage. Die Landwirtschaftskammer hat hier hervorragende Arbeit in der Beratung geleistet und auch am BSBZ (Anm. d. Red.: Bäuerliches Schul- und Bildungszentrum) wurden die Zeichen der Zeit erkannt und die jungen Bäuerinnen und Bauern gut ausgebildet. Es ist eine neue Generation herangewachsen, die mit dem neuen System umgehen
konnte, verbunden mit einem starken Bewusstsein für Natur, Kreisläufe und Tierschutz.
Wenn du zurückblickst: Was war der entscheidende Erfolgsfaktor?
Erich Schwärzler: Dass wir die Veränderung angenommen haben. Ich sage immer: Man kann Veränderung bejammern, sie findet trotzdem statt. Oder man gestaltet sie mit. In Vorarlberg haben viele den Weg der Teilnahme gewählt. Wir hatten starke Partnerschaften, mutige Bäuerinnen und Bauern und eine klare gemeinsame Linie.
Wie siehst du die Zukunft der Vorarlberger Landwirtschaft?
Erich Schwärzler: Entscheidend wird sein, weiterhin mit der Bevölkerung zu kommunizieren und die eigene Zukunft mit Begeisterung zu gestalten. Die Chancen für eine positive Einkommensentwicklung liegen in der Regionalität, in der Qualität und im Vertrauen. Die Landwirtschaft wird sich mit gut ausgebildeten Bäuerinnen und Bauern weiterentwickeln, moderner werden. Die Grundprinzipien wie nachhaltige Bewirtschaftung, Tierwohl, regionale Identität und Wertschöpfung als Grundpfeiler für eine Landwirtschaf, müssen in Zukunft erhalten bleiben.
Vielen Dank für das Gespräch!
Veröffentlicht am 17.07.2026












