Am Biohof Mangard in Gortipohl hat ein junges Paar von Milchviehwirtschaft auf Rindermast umgestellt. Man geht dabei einen konsequenten Weg, bei dem Tierwohl und höchste Qualitätsansprüche oberste Priorität haben.
Oberhalb von 1.000 Metern gibt es kein „Sie“ mehr. In den Bergen ist man mit allem und jedem verbunden. Im Montafon geht man einen Schritt weiter und senkt die „Du-Grenze“ bis ins Tal. Unter diesem Motto setzt die Montafoner Tourismusgesellschaft auf persönliche Beziehungen. Man ist per Du mit den Menschen und auch der Natur. Am Biohof von Fabian Mangard und Victoria Boric in Gortipohl ist das nicht anders. Dort ist man – symbolisch gesprochen – auch mit den Tieren per Du. Eben ganz nah dran – und zwar vom ersten Tag an, an dem sie auf den Hof kommen. „Jedes Tier hat einen Namen und soll jenen Respekt und jene Würde bekommen, die es verdient“, ist für den 29-Jährigen ein liebevoller Umgang mit seinen Angus-Rindern eine Selbstverständlichkeit.
Der jüngst vom Land Vorarlberg verliehene Tierschutzpreis für vorbildliche Nutztierhaltung unterstreicht dies und ist mehr als nur eine Auszeichnung für den Bio-Betrieb. Rund 15 bis 20 Rinder sind es, die je nach Jahreszeit am Hof, auf dem Maisäß oder auf der Alp leben und mindestens ein Alter von drei Jahren erreichen. In dieser Zeitspanne fehlt es den Tieren an nichts. „Wir wissen, dass die Tiere uns ihre ganze Lebenszeit begleiten und dass sie unser Engagement und unsere Fürsorge verdienen.“ Zu den mächtigen, bulligen Tieren kommen noch ein paar Pfauenziegen, um die sich vor allem seine um zwei Jahre jüngere Lebensgefährtin kümmert. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Oskar vor vier Monaten ist Victoria – sie arbeitet in der Pension Faneskla im Silbertal die ihre Mutter Barbara führt – derzeit in Karenz.

Nachhaltige Lebensweise
Landwirtschaft hat in der Familie Mangard eine lange Tradition. Die Wurzeln reichen bis in die 1950er-Jahre zurück, als die Hofgründer Artur und Erwina einen kleinen Milchviehbetrieb führten. Mit ihrer hingebungsvollen Arbeit legten die beiden damals den Grundstein einer nachhaltigen Lebensweise, der bis heute als Fundament alles Tuns und Schaffens am Hof dient. Als ihre Nachfolger Alex und Martha den Hof 2019 an die dritte Generation übergaben, läuteten die nunmehrigen jungen Betreiber ein neues Zeitalter ein. Fabian verabschiedete sich von der Milchviehhaltung und sattelte stattdessen auf Mastrinder-Haltung nach Bio-Kriterien um.
„Dank des umfangreichen Wissens meiner Eltern und der weitsichtigen, verantwortungsvollen Führung konnte ich den Betrieb so weiterentwickeln, wie ich es mir vorstellte“, steht für den gelernten Zimmermann das bedingungslose Bekenntnis zu einer extensiven und ökologischen Tierhaltung klar im Vordergrund. Dafür wurde extra in einen Laufstall investiert, in dem sich die Rinder frei bewegen können und alle Annehmlichkeiten vorfinden. Dort verbringen sie ihre Zeit, wenn sie nicht gerade auf der Alp oder dem Maisäß sind. Der junge Nebenerwerbs-Landwirt verfolgt seinen Weg konsequent. Ist es doch sein Anspruch, Fleisch als hochwertiges Produkt zu betrachten, das für die Konsument:innen ein echter Genuss sein soll.
Er ist überzeugt, dass auf Fleisch, das nach höchsten ethischen Gesichtspunkten und Qualitätsstandards produziert wird, nicht verzichtet werden muss. Um den hohen Anforderungen zu entsprechen, arbeitete sich der Montafoner tief in die Materie ein. Er besuchte Seminare und Schulungen, unter anderem bei Metzgermeister und Fleischsommelier Philipp Sontag, einem Experten im süddeutschen Raum. Zudem gab er sogar seinen Job als Projektleiter vorübergehend auf, um in einer Metzgerei die Grundlagen der Fleischverarbeitung zu lernen. Denn diese führt er selbst am Hof in einem eigens dafür gebauten Raum durch. Ein großes Ziel ist es, selbst Wurstwaren zu produzieren. Neben den klassischen Fleischpaketen und Einzelteilen sind die Dry-Aged-Steaks ein Aushängeschild des Mangard-Hofes in Gortipohl.
Wir wissen, dass die Tiere uns ihre ganze Lebenszeit begleiten und dass sie unser Engagement und unsere Fürsorge verdienen.
Fabian Mangard

Besonders zartes Fleisch
Beim Dry-Aging-Verfahren werden die Edelteile im Reifeschrank, auch Dry-Ager genannt, mindestens drei Wochen unter konstanten Bedingungen trocken abgehangen, so kann das Fleisch gut heranreifen und wird besonders aromatisch und zart. „Mich begeistert das“, gerät Fabian beim Erzählen ins Schwärmen. Er selbst findet das Steak nach sechs Wochen Reifezeit am besten. „Dann ist es vom Geschmack sehr intensiv und richtig weich.“ War anfangs ausschließlich die Gastronomie Abnehmer der Produkte, sind es nun vermehrt auch private Kund:innen. Denn seit rund einem Jahr gibt es einen eigenen Onlineshop, der von seiner Partnerin betreut wird. Die Bestellungen können über das Internet oder über WhatsApp aufgegeben werden. Der Zuspruch ist groß, die Kundschaft setzt sich aus allen Altersschichten zusammen.
In der Regel sind es zwei Schlachttermine pro Jahr, an denen insgesamt fünf oder sechs Tiere in die rund fünf Fahrminuten entfernte Metzgerei Salzgeber gebracht werden. Für Fabian Mangard ist es selbstverständlich, dass er bis zum letzten Atemzug der Rinder mit dabei ist. „Ich will nicht, dass sie irgendeine Form von Stress erleben.“ Ginge es nach ihm, würde er ihnen am liebsten auch den kurzen Transportweg ersparen. Doch eine Schlachtung am Hof wäre aus verschiedenen Gründen zu komplex und aufwendig. „Da sie jedoch im Sommer auf die Alp gebracht werden, ist ihnen der Viehwagen vertraut, wenn sie damit transportiert werden.“ Alles läuft ganz ruhig ab.
Nicht immer ist es für ihn leicht, sich von den Tieren zu trennen. „Bei manchen fällt es mir besonders schwer, weil sie mir wirklich ans Herz gewachsen sind.“ Fünf bis sechs Tiere – zumeist Angus-Kreuzungen – kauft er pro Jahr an. Die Kälber kommen mit drei Monaten auf den Hof, gewöhnen sich dort rasch an die restliche Herde. Ab diesem Zeitpunkt lebt Fabian Mangard praktisch Du-an-Du mit den handzahmen Tieren, spricht sie mit Namen an. „Da sie aber von der Farbe her fast alle schwarz sind, kann es schon sein, dass ich einmal eines verwechsle“, sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Den Rindern ist das aber ohnehin egal. Sie vertrauen ihm so oder so. Namen hin oder her.
Veröffentlicht am 13.01.2025
Biohof Mangard
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