Jetzt hat das Ländle Alpschwein in den Supermarkt-Regalen wieder Saison. Auch auf der Alpe Parpfienz im Gemeindegebiet von Nenzing wurden diesen Sommer 26 Alpschweine gehalten. Sie stehen auch als Beispiel dafür, wie Nutztiere gesund und artgerecht aufwachsen können und wie das tägliche Zusammenspiel zwischen Käseerzeugung und Schweinehaltung bestens funktioniert.
Zwar nicht alle, aber einige Wege im Brandnertal führen auf die Alpe Parpfienz. Am bequemsten ist es, mit dem Landbus L580 bzw. mit dem Auto zur Dorfbahnstation Brand zu fahren und in die Gondel zu steigen. An der Bergstation angekommen führt dann ein leicht begehbarer Barfuß-Rundweg direkt zur Alpe. Es geht aber auch anders, nämlich sportlicher. Vom Ortszentrum Brand geht es stetig bergauf durch den Wald, wobei eindrucksvolle Naturerlebnisse wie der Glinga-Wasserfall auf einen warten. Wer Zeit und Lust hat oder mit Kindern unterwegs ist, erfährt auf dem interaktiven Natursprüngeweg viele Geheimnisse der Bergwelt. Alternativ bietet sich auch die Panoramabahn auf den Burtschasattel an, von wo man dann zur Alp hinunterwandert. Egal ob mit oder ohne Schuhwerk, gemütlich oder lieber anspruchsvoll – allein schon wegen der herrlichen Landschaft am Rücken der Zimba und der ausgezeichneten Alpjause lohnt sich ein Besuch der auf 1528 Metern gelegenen Parpfienz-Alpe allemal.

Tourismus und Alpwirtschaft
„Vom Namen her bedeutet Parpfienz: die Wiese unterhalb der Schotterrüfe“, klärt der Nenzinger Gemeindearchivar Thomas Gamon auf. Der aus dem Rätoromanischen stammende Name bezeichnet auch eine Heuwiese. Der Ursprung der Alp liegt im Spätmittelalter, als die hochalpinen Weiden erschlossen wurden. Heute steht sie als Tourismusdestination ebenso wie für die Alpwirtschaft, die gleichermaßen Käseerzeugung, Viehhaltung und Landschaftspfl ege umfasst. Zwei völlig unterschiedliche Zweige, die sich gut ergänzen. „An starken Wochenenden kommen hier schon mal 200–300 Wanderer vorbei“, weiß Anton Egger, Alpobmann der Alpe Parpfienz, die im Besitz der Agrargemeinschaft Nenzing ist. Das unterstreicht die touristische Bedeutung. Auch wenn Hochbetrieb herrscht, läuft das Alpleben ganz normal weiter.
Unter der Leitung von Alpmeister Walter Latzer gilt es 60 Kühe, 145 Jungrinder sowie 26 Alpschweine zu versorgen. Im hochmodernen, vor zehn Jahren neu errichteten tierwohlfreundlichen Laufstall finden die getrennt gehaltenen Kühe und Schweine jedweden Komfort vor. Der Boden ist mit Stroh ausgekleidet und auch Beschäftigungsmaterial für die Schweine ist genügend vorhanden. Der Stall wurde auch so konstruiert, dass er auf einer Seite offen ist und die Tiere jederzeit ins Freie können. Die Schweine, die Anfang Juni als Ferkel auf die Alp kommen, werden mit Getreide sowie mit nahrhafter Molke gefüttert, was sich auf die Fleischqualität positiv auswirkt. Die Molke entsteht bei der täglichen Käseproduktion und wird so sinnvoll verwertet. Rund 90.000 Liter Milch werden verarbeitet. Unter anderem wird auch der in Vorarlberg einzigartige Sauerkäse hergestellt.
Tragen große Verantwortung.
Anton Egger
„Tragen große Verantwortung“
Die Rinder verbringen den ganzen Sommer im Freien und können sich durch 176 Hektar Futterflächen „durchfressen“. Hirte Philipp Danler schaut dabei täglich nach dem Rechten und zählt die Herde auch regelmäßig durch. „Wir tragen hier oben eine große Verantwortung, weil wir die Tiere von den Landwirtinnen und Landwirten anvertraut bekommen“, gibt Obmann Anton Egger interessante Einblicke, welche Bemühungen hinter einer Alpwirtschaft stecken. Als größte Agrargemeinschaft Vorarlbergs mit gesamt 8200 Hektar Fläche betreibt die Agrargemeinschaft Nenzing neben der Alpe Parpfienz auch noch die Alpe Gamperdona im Nenzinger Himmel sowie drei weitere Jungviehalpen und eine Mutterkuhalpe. Rund 20 Personen sind im Sommer auf den Alpen beschäftigt, auf Parpfienz sind es fünf.
Für die Landwirtschaft im Walgau ist die Agrargemeinschaft Nenzing mit ihren 700 Mitgliedern ein bedeutender Faktor. Allein für die Alpe Parpfienz, die inmitten des Skigebietes liegt, müssen Zäune mit einer Gesamtlänge von zehn Kilometern errichtet oder instand gehalten werden, um Außengrenzen festzulegen bzw. auch potenzielle Absturzzonen zu sichern. Gesamthaft ist die Agrargemeinschaft Nenzing für 190 Kilometer Forstwegenetz sowie für rund 50 Gebäude zuständig.

Mannigfaltige Herausforderungen
Das ist fraglos alles andere als ein Selbstläufer. Die Herausforderungen sind mannigfaltig, die größte Unbekannte ist dabei alljährlich das Wetter. In einem Fotoalbum hat Anton Egger auf Bildern die verschiedensten Stimmungen festgehalten. Mal taucht die Natur die komplette Landschaft in ein saftiges Grün, mal zeigt sie sich von der kargeren Seite, ein anderes Mal wiederum ist die Alpe von dichtem Nebel umhüllt. Die Menschen haben gelernt, mit diesen Herausforderungen umzugehen, die sich ändernden klimatischen Bedingungen mit der zunehmenden Trockenheit machen es jedoch nicht einfacher. Es wird auch nicht leichter, Personal zu finden.
Es braucht eine entsprechende Vorausplanung, um die (Senn-) Alpen auch bewirtschaften zu können. „Dass dies alles so gut funktioniert, ist auch den Vorarlberger Unternehmen zu verdanken“, betont Siegbert Terzer, Geschäftsführer der Agrargemeinschaft Nenzing. Eine Alpsaison dauert im Durchschnitt von Juni bis Mitte September. In dieser Zeit werden Mitarbeiter:innen freigestellt oder sie nehmen sich zum Teil Urlaub, wenn sie nicht hauptberuflich in der Landwirtschaft engagiert sind. Denn es wäre nicht möglich, von einem Alpbetrieb allein zu überleben. Vielmehr gehört eine große Leidenschaft dazu. Es gibt auch viele positive Seiten. Beispielsweise wenn alle am Abend zusammensitzen und die freie Zeit genießen können. Sei es bei einem Gesellschaftsspiel, beim gemeinsamen Essen oder einfach nur beim gemütlichen Hock. „Wir haben auch darauf geschaut, dass die Unterkünfte modern eingerichtet sind und eine gewisse Privatsphäre bieten“, ergänzt Siegbert Terzer.
Auch Schweine lieben den sozialen Kontakt. Wenn sie nicht draußen sind, schmiegen sie sich im Stall eng aneinander. Das Ländle Alpschwein ist eine Besonderheit, steht es doch für eine ursprüngliche Landwirtschaft, wie sie seit hunderten von Jahren betrieben wird.
Veröffentlicht am 03.09 2026










