Gerhard Kirhofer ist Küchenleiter im Benevit Sozialzentrum Alberschwende. Im Durchschnitt werden dort hundert Mahlzeiten pro Tag zubereitet. Und das mit einem hohen Anteil von Lebensmitteln aus dem Ländle. Deshalb gab es bei „Vorarlberg am Teller“ zum wiederholten Mal die Auszeichnung in Gold.
Reden und Essen bringen bekanntlich Leute zusammen. Im von Benevit betriebenen Sozialzentrum Alberschwende wird das schon durch die Architektur der Gebäude ersichtlich. Denn inmitten der beiden Wohnbereiche befindet sich der Essbereich mit einer gemütlichen Stube. Im Erdgeschoß ist die Großküche, in der Gerhard Kirhofer mit seinem Team täglich bis zu 180 Mahlzeiten zubereitet. „Im Durchschnitt sind es hundert pro Tag“, präzisiert der Küchenleiter. Weil an sieben Tagen die Woche gekocht wird, kommen über das Jahr gerechnet rund 36.500 Portionen zusammen.
Dass sich dabei ganz viel Vorarlberg am oder besser gesagt auf dem Teller befindet, ist sowohl dem Anspruch der Heimleitung als auch dem Küchenteam zu verdanken, das vorwiegend auf heimische Produkte setzt. Geliefert werden sie von 18 Produzenten und Produzentinnen bzw. vom regionalen Handel. Bei der Milch und bei den Eiern liegt der Deckungsgrad fast bei hundert Prozent und beim Fleisch stammt gut die Hälfte aus der Vorarlberger Landwirtschaft. „Was uns noch fehlt, ist ein etwas höherer Bio-Anteil, ansonsten sind wir bereits sehr gut aufgestellt“, erklärt der 55-jährige Wahl- Mellauer.

Abwechslungsreicher Speiseplan
Seit drei Jahren beteiligt sich das Sozialzentrum auch an der Initiative „Vorarlberg am Teller“ und wurde schon dreimal mit Gold ausgezeichnet. Gerhard Kirhofer geht zum Schrank und greift einen der Ordner heraus, die sich darin reihenweise stapeln. Hier sind alle Einkäufe aufgelistet. Er blättert darin. „Freilich bedeutet die Teilnahme etwas mehr Aufwand, weil alles genau und lückenlos dokumentiert werden muss. Aber es rentiert sich, weil man den Bewohnern und Bewohnerinnen erklären kann, dass die Produkte von hier stammen.“ Der Spruch „Fahr nicht fort, kauf‘ im Ort“ schafft Nähe und Identität.
Wie überall gibt es Vorlieben oder auch Abneigungen, was gewisse Speisen betrifft. Kirhofer versucht, möglichst allen Mündern und Geschmäckern gerecht zu werden. Gekocht wird für alle Altersgruppen – vom Kindergarten bis zum Seniorenheim. Es gilt, kulinarisch alle abzuholen. Das gelingt durch einen sehr abwechslungsreichen Speiseplan, den er jede Woche neu zusammenstellt. Gekocht wird jeden Tag frisch, es kommt auch nichts Vorgefertigtes in die Küche. Was von betagten Menschen beispielsweise gerne gegessen wird, sind Hausmannskost und gutbürgerliche Küche. Also gibt es beispielsweise Kalbsragout (mit Fleisch aus dem Bregenzerwald)
mit Erbsen und Karotten. Auch Suppe, Salat und ein Dessert dürfen nicht fehlen. Aber auch Spaghetti Bolognese, Pizza, ein Topfengrießauflauf
oder auch Marmelade-Palatschinken sind weitere Leckerbissen, die fast jedem schmecken.
„Fahr nicht fort, kauf‘ im Ort“ schafft Nähe und Identität.
Gerhard Kirhofer
Wertschöpfung im Land
Die regionalen Produzent:innen schaffen einen ganz besondern Bezug zu den Lebensmitteln. „Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass dadurch die Wertschöpfung in der Region und im Land bleibt“, erläutert der gelernte Koch, der ursprünglich aus Kroatien stammt und längst im Bregenzerwald seine Heimat gefunden hat. Die Arbeit als Küchenleiter im Sozialzentrum schätzt der Mittfünfziger. „Sie ist besser planbar als in der Privatgastronomie und auch wesentlich familienfreundlicher.“ Fast 30 Jahre lang hat er für ein Hotel in Mellau gekocht, 2017 wechselte er als Küchenleiter ins Sozialzentrum und ist seit vier Jahren auch als Qualitätsbeauftragter in der Vorarlberger Pflegemanagementgesellschaft Benevit tätig. Ein umfangreiches Aufgabengebiet, das sich dennoch mit dem Privatleben gut vereinbaren lässt. Als Vater von drei Kindern (5, 14 und 18 Jahre alt) schätzt Kirhofer die regelmäßigen Arbeitszeiten. „Zu Hause kocht meine Frau und im Urlaub ich“, beschreibt er mit einem Lächeln, wie die Essensversorgung privat erfolgt. Dass morgens der Wecker bereits vor fünf Uhr klingelt, macht ihm nichts aus.

Dienstbeginn um sechs Uhr
Sein Dienst beginnt um sechs Uhr in der Früh und dauert bis in den Nachmittag hinein. „Ab Mittag ist dann zumeist Büroarbeit angesagt.“ Da kümmert er sich etwa um den Einkauf, dokumentiert Rechnungen, plant die Organisation der Küchenleitersitzungen oder bemüht sich um die Anliegen des Personals. „Das Kochen gehört aber schon zu meinen Lieblingsbeschäftigungen“, hat er nach fast 40 Jahren Berufserfahrung noch lange nicht genug davon. Drei Köche und drei Küchengehilfinnen ergänzen das Team, hinzu kommt noch ein geschützter Arbeitsplatz. Kirhofer spricht von einer großen Verantwortung, die er als Küchenleiter gegenüber seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen hat und gerne wahrnimmt.
Er integriert sie vollständig in das Geschehen – jede und jeder ist eine wertvolle Kraft. Ein solch kleines Team lebt von der Zusammenarbeit und davon, dass alle Handgriffe sitzen. Schließlich soll nichts verschwendet und alles verwertet werden. Eine genaue Kalkulation ist aus Kostengründen wichtig. Und auch die Hygiene spielt eine große Rolle. Die Betriebe werden regelmäßig von der Lebensmittelbehörde kontrolliert.
Alle drei Monate gibt es zudem einen Themenabend, jeweils zur Jahreszeit passend. Auch da können sich alle einbringen und Ideen vorschlagen. Schließlich geht es darum, den Menschen mit dem Gekochten eine Freude zu bereiten. Deshalb ist es für ihn auch das schönste Kompliment, wenn ihm nach dem Essen vielfach ein „Guat gsi!“ entgegenhallt. „Ein voller Bauch macht eben zufrieden“, diese Erfahrung hat Gerhard Kirhofer schon oft gemacht.
Veröffentlicht am 28.07.2026
BENEVIT Sozialzentrum
Alberschwende
Hof 23, 6861 Alberschwende
Leiter Küche: Gerhard Kirhofer
T 05516 2111 37
E kueche.alberschwende@benevit.at









