Wolfgang Rigo hat in der Landwirtschaft seinen Ausgleich zum Businessleben gefunden. Er züchtet und vermarktet dabei am Peterlehof in Übersaxen Wagyu- und Angus-Rinder. Eine besondere Aufgabe, geht es doch darum, höchste Qualität zu erzeugen.
Ein großer schwarzer Bulle, der majestätisch auf der Wiese steht, zeigt an, dass es ab hier nur noch ein paar Meter zum Peterlehof in Übersaxen sind. Der Hof liegt etwas abseits des Dorfkerns. Er ist von einer idyllischen Landschaft umgeben. Sie wird von großflächigen Streu- und Magerwiesen geprägt, wie sie typisch für die Gegend sind und sich bis in den Walgau hinunterziehen. Ein kleinräumiges Mosaik, das einen großen Reichtum an Naturschätzen beherbergt. Der Stier auf der Wiese nimmt von all dem jedoch keine Notiz – wie denn auch, ist er doch aus Bronze gegossen und steht als Symbol für eine besondere Rinderzucht, die Wolfgang Rigo auf 1000 Meter Seehöhe betreibt.
Der 50-Jährige, hauptberuflich als Geschäftsführer bei der Huppenkothen-Gruppe beschäftigt, hat in Übersaxen seine Wurzeln in der Landwirtschaft wiederentdeckt. 2016 ergab sich die Gelegenheit, einen kleinen Hof zu übernehmen. Gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Kindern errichtete er dann 2022 einen Aussiedlerhof nach modernsten Kriterien. Auch privat übersiedelte die Familie bereits 2001 nach Übersaxen, wo sie nun in der Nähe des Hofes lebt. „Es ist ein schönes Dorf, das sehr lebenswert ist“, schwärmen die Rigos von ihrer Heimat. Als Kind half Wolfgang immer wieder am Hof seines Großvaters in Schlins mit. „Ihm ist auch der Name Peterlehof gewidmet“, klärt Rigo auf.

Japan ähnlich wie Vorarlberg
Durch seine beruflichen Verbindungen zu Japan ist er auf die Rinderrasse Wagyu gestoßen. Die Japan-Rinder, was Wagyu auf Deutsch übersetzt heißt, sind für ihr hochwertiges und feines Fleisch bekannt und vor allem für Gaumen gedacht, die es exklusiv mögen. Mit rund 50 Stück ist Wolfgang Rigo einer der größeren Wagyu-Züchter im Land, hinzu kommen 20 Aberdeen-Angus-Rinder, die von Natur aus hornlos und von der Statur auch um einiges kräftiger sind. „In der Haltung unterscheiden sich die beiden Rassen kaum, geschmacklich hingegen durchaus“, erklärt der Nebenerwerbslandwirt. Das Fleisch von Wagyu gilt als besonders exklusiv, weil die Rinder langsam aufwachsen, mindestens 36 Monate alt werden und ganz speziell gefüttert werden. Auch Wolfgang Rigo hat da seine eigene gesunde Mischung, die ohne Gentechnik und Silagen auskommt, gefunden. „Fünf Jahre haben wir gebraucht, damit wir jene Qualität herbekommen haben, die wir uns vorstellten.“ Die intensive Marmorierung und der zarte Geschmack machen das außergewöhnliche Aroma aus. Unter den Gourmets wird Wagyu-Fleisch oftmals als das exklusivste unter den Steaks bezeichnet.
Wie der Geschäftsführer feststellte, ähneln die Bedingungen in Japan topografisch jenen von Vorarlberg. Das brachte ihn auch auf die Idee. So zeichnet sich etwa die Region rund um die Großstadt Kobe, aus der die Wagyu-Rinder ursprünglich kommen, durch eine steile, dichtbewaldete Gebirgslandschaft aus, die auf rund 1000 Meter Seehöhe liegt.
Die aus Schottland stammenden Black- Angus-Rinder wiederum sind sehr robust und muskulös. Sie zählen weltweit zu den beliebtesten Fleischrinder-Rassen. Ihr Fleisch ist geschmacksintensiv und wird besonders von Steak-Liebhaber:innen bevorzugt. Der Peterlehof verfügt zudem über einen eigenen Dry-Age-Raum. Dort reift das Fleisch bis zu vier Wochen. „Manche meiner Kunden möchten das Fleisch lediglich abhängen lassen, andere warten, bis es vollständig gereift ist.“ Rund 30 bis 60 Prozent verkauft Rigo direkt ab Hof, der Rest geht an die Gastronomie. Dabei können die Kund:innen selbst entscheiden, was für Cuts sie möchten.
Jahrelang war ich als Ausgleich zu meinem Beruf bei der Flugrettung, jetzt ist die Landwirtschaft mein Ausgleich
Wolfgang Rigo
Nur reinrassige Eigenzüchtungen
Sosehr das Endprodukt geschätzt wird, ist es dem Züchter aus Übersaxen wichtig, dass auch die Tiere vom ersten Tag an mit größtem Respekt behandelt werden. Von der Geburt über die Aufzucht bis hin zur Schlachtung erfolgt alles am eigenen Hof. Die Rinder sollen in keiner Lebensphase Stress verspüren. Am Peterlehof leben nur reinrassige Eigenzüchtungen. Die Besamung erfolgt nicht künstlich, sondern durch einen Stier. Diese Zuchtphilosophie ist besonders bei Wagyu-Rindern für Rigo wichtig.
Ab Anfang Mai befinden sich seine Rinder auf der Weide und im Sommer geht es auf speziell ausgewählte Alpen im Walser- und Laternsertal. Aber auch im modern eingerichteten Stall, in dem vieles, wie zum Beispiel die Fütterung, vollautomatisch erfolgt, finden die Tiere jeglichen Luxus vor. Sie können sich frei bewegen und sich an Kuhbürsten selbst massieren. Sogar Kameras sind angebracht, sodass Wolfgang Rigo jederzeit beobachten kann, was seine Rinder gerade so treiben. Geplant ist ein weiterer Zubau mit zusätzlichem Heustock und Stall, mit dem Ziel, alles mittels PV-Anlage autark zu betreiben.

Klassische Musik für die Rinder
Für das Wohlbefinden darf auch (klassische) Musik nicht fehlen. Diese reduziert die Stresshormone. Stellt sich die Frage, ob die Tiere eher auf Mozart oder auf Beethoven stehen. Wolfgang Rigo kommt ein Schmunzeln über die Lippen. „Ich denke, das können sie nicht unterscheiden. Hauptsache Klassik“, antwortet der 50-Jährige. Gut, dass die KI darauf eine Antwort weiß. Sie schlägt tatsächlich Beethovens 6. Sinfonie „Pastorale“ oder auch Simon & Garfunkels „Bridge over Troubled Water“ vor.
Das Wohlbefinden steht auch bei Familie Rigo selbst und allen Mitarbeitenden am Peterlehof an erster Stelle. „Jahrelang war ich als Ausgleich zu meinem Beruf bei der Flugrettung, jetzt ist die Landwirtschaft mein Ausgleich. Wir arbeiten viele Wochenstunden, aber das ist für uns normal“, erklärt Wolfgang und zeigt sich dankbar für die Unterstützung seiner Familie und der Helfer, die es überhaupt erst ermöglichen, diesen Betrieb zu führen. Es ist nicht selbstverständlich, sich auf so viel Kompetenz und Einsatz verlassen zu können.
Veröffentlicht am 26.06.2026
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